Aus dem "Auslandsstudienführer SS 2013"
von Yvonne van Gemmern (Rätin für Ausland und Soziales).

 

I. Einführung

Im Zuge von Globalisierung und Internationalisierung wird es auch für angehende Juristen immer wichtiger, sich für internationale Betätigungsfelder zu qualifizieren. Schon während des Studiums bieten sich hierzu diesbezüglich vielfältige Möglichkeiten.

Ein guter Einstieg in das englische, amerikanische oder französische Recht bietet in Münster die Fachspezifische Fremdsprachen-­‐Ausbildung für Juristen (FFA).

Aber auch wer nicht an der FFA teilnimmt kann Auslandserfahrungen sammeln. So erkennen die Justizprüfungsämter nahezu alle Praktika bei Behörden oder Kanzleien im Ausland für das deutsche Jura-­‐Studium an. Im Rahmen der ERASMUS-­‐Programme können europäische Studierende ohne großen Verwaltungsaufwand und ohne Studiengebühren ein oder mehrere Semester lang an einer Universität im Ausland studieren. Die Universität Münster pflegt darüber hinaus auch Kontakte zu nicht-­‐europäischen Ländern.

Nach Abschluss der staatlichen Pflichtfachprüfung (das erste Staatsexamen) in Deutschland bietet sich außerdem die Möglichkeit, ausländische Hochschulen zu besuchen. Hier steht insbesondere die Möglichkeit offen, einen international anerkannten Postgraduierten-­‐Abschluss (z.B. LL.M.) zu erwerben.

Letztlich ist jeder Auslandsaufenthalt sinnvoll, denn abgesehen von der Vertiefung der Fach-­‐ und Sprachkenntnisse bedeutet er auch eine wichtige persönliche Erfahrung! Wer mit dem Gedanken spielt, einige Wochen, Monate oder Jahre ins Ausland zu gehen, sollte frühzeitig, d.h. etwa ein Jahr vorher, mit den Vorbereitungen beginnen. Diese Broschüre soll euch dabei behilflich sein.

II. Erasmus

Das ERASMUS­‐Projekt (European Action Scheme for the Mobility of University Students) gibt es seit 1987. Es soll die Mobilität der Studierenden fördern und schrittweise ein europäisches Hochschulnetz entwickeln. Die ERASMUS-Organisation besteht aus einem Hauptbüro in Brüssel, den untergeordneten nationalen Büros und dem jeweiligen ERASMUS­‐Beauftragten der Universität. Die Austauschprogramme selbst beruhen auf bilateralen Beziehungen, d.h. auf persönlichen Kontakten, der Dozenten, so betreut jedes Institut verschiedene Universitäten in verschiedenen Ländern. Die Universität bekommt dann jedes Jahr aus Mitteln der EU­‐Kommission eine finanzielle Förderung, die dann in Form von Mobilitätshilfen an die Studierenden ausgezahlt wird. Die Westfälische Wilhelms­‐Universität Münster verfügt über zahlreiche Austauschkontakte und bietet somit viele Möglichkeiten. Teilnehmen könnenStudierende oder Doktoranden, die an einer Universität der teilnehmenden Staatenimmatrikuliert sind, mindestens zwei Semester studiert haben und an eine Partneruniversität gehen möchten, mit der ihre Heimatuniversität einen ERASMUS-­‐Austauschvertrag abgeschlossen hat. Eine finanzielle Förderung im Rahmen des ERASMUS-­‐Studierendenaustauschs ist nur einmal möglich.

1. Bewerbungsformalitäten Erasmus

 

Informationsabend

Der Informationsabend zum Erasmus‐Austausch wird am 17. Januar 2013 (Raum und Zeit werden noch bekannt gegeben) stattfinden.

Ihr habt die Möglichkeit euch für drei Universitäten eurer Wahl mit Prioritäten zu bewerben. Zu Beginn des Auswahlverfahrens werden die Bewerbungen an die Institute der jeweiligen Erstwahl weitergeleitet. Im Falle einer Absage geht die Bewerbung in einer zweiten Runde an das Institut des Zweitwunschs. Dies wiederholt sich im Falle einer erneuten Ablehnung entsprechend.

Dazu muss zunächst das Deckblatt ausgefüllt werden, auf dem ihr eure persönlichen Daten und eure Wunschuniversitäten mit Angabe der Prioritäten notieren müsst. Dann muss dieses mit den andern Bewerbungsunterlagen im Studieninformationszentrum in Raum J 111 a abgegeben werden. Mit Abschluss der Bewerbungsfrist (04. Februar 2013) werden die Bewerbungen dann den einzelnen Instituten zugeleitet.

Eure Bewerbung sollte die folgenden Dokumente enthalten:

• Deckblatt
• tabellarischer Lebenslauf
• ein Motivationsschreiben bezüglich der drei Wunschuniversitäten
• Kopie des Abiturzeugnisses (einfache, unbeglaubigte Kopie)
• Bescheinigung der bisherigen Studienleistungen (WILMA II-­‐Ausdruck) mit Beglaubigung vom Prüfungsamt
• eventuell Nachweise über Sprachkenntnisse oder ähnliches

Es ist in Einzelfällen möglich, die Austauschplätze anderer Fachbereiche zu nutzen, falls eure Wunschuniversität nicht dabei ist. Allerdings gibt es hierbei Einschränkungen, deshalb ist unbedingt klären, ob die ERASMUS-­Fachkoordinatoren in Münster und die Partnerhochschule fachfremde Bewerber akzeptieren. Eine Auflistung der Partneruniversitäten findet ihr im hinteren Teil dieses Studienführers.

2. Vorbereitung des Auslandssemesters

Bevor ihr ins Ausland geht solltet ihr euch darüber im Klaren sein, ob ihr ein oder zwei Semester im Ausland verbringen wollt -­‐ beides hat seine Vor-­‐und Nachteile. Manche Universitäten bevorzugen Bewerber, die ein Jahr ins Ausland gehen möchten. Sobald ihr eine Zusage für einen Platz erhalten habt, müsst ihr die Annahmeerklärung in zweifacher Ausfertigung unterschreiben, und vom ERASMUS-­‐ Koordinator unterschreiben lassen. Eine wird rechtzeitig (zum WS bis zum 15.Juni, zum SS bis zum 15.Dezember) im ERASMUS-­‐Büro des International Office eingereicht, die andere Ausfertigung ist für eure Unterlagen beziehungsweise für die Beurlaubung.

3. Beurlaubung

Infos des Prüfungsamtes findet ihr in deren FAQ: http://www.jura.uni-muenster.de/index.cfm?objectid=14C0F700-BE42-F682-6CE564E5342E1DB8

"Vielmehr gelten hierfür andere Kriterien (§ 25 Abs. 2 Nr. 3 JAG NRW 2003): Ein Auslandssemester kann bei der Berechnung der Fachsemesteranzahl für den Freischuss unberücksichtigt bleiben, wenn Sie nachweislich an einer ausländischen Universität für das Fach Rechtswissenschaft eingeschrieben waren, rechtswissenschaftliche Vorlesungen in einem Umfang von mindestens acht Stunden je Woche im ausländischen Recht besucht und pro Semester mindestens einen Leistungsnachweis im ausländischen Recht erworben haben. Zum ausländischen Recht zählt auch Völker- und Europarecht sowie internationales Privatrecht. Sprachkurse reichen nicht! Der Nachweis der Wochenstunden kann geführt werden durch Vorlage einer Bescheinigung der Universität über die Wochenstunden der einzelnen Kurse aber auch durch Vorlage des Kursbuches oder des Vorlesungskommentars, notfalls auch ein Internetlink, falls die Stundenzahl dort angegeben ist. Die Angabe von Credits auf dem Transcript reicht nur im Ausnahmefall wenn 30 Credits im ausländischen Recht erworben wurden. Sollten an der ausländischen Universität nur Blockveranstaltungen angeboten werden, muss eine Belegung von mindestens 96 Stunden (das entspricht 8 Stunden pro Woche) nachgewiesen werden."

 

Informationen und die Öffnungszeiten des Studierendensekretariatsfindet ihr im Internet unter www.uni‐muenster.de/Studierendensekretariat.

Für die Meldung zum ersten Staatsexamen rechnen die Justizprüfungsämter Auslandssemester nicht mit, wenn dort wenigstens acht Semester‐wochenstunden im ausländischen Recht belegt werden und ein Leistungsnachweis im ausländischen Recht erworben wird. Die Fächer dürfen grundsätzlich keinen Bezug zur deutschen Ausbildung haben. Einige Fächer, wie z.B. Internationales Privatrecht, werden aber anerkannt. Im Zweifel sollte man Rücksprache mit dem Justizprüfungsamt halten.

4. Learning Agreement, Transcript of Records und Anrechnung der erbrachten Leistungen

Nach den Bestimmungen des ERASMUS-­Programms müssen alle ERASMUS-­‐ Studierenden zu Beginn ihres Auslandsaufenthaltes ein Learning Agreement (einen vorläufigen Studienplan) erstellen und nach ihrer Rückkehr ein Transcript of Records (eine Leistungsübersicht) von ihrer Gastuniversität vorlegen. Mit dem Learning Agreement vereinbart ihr mit eurem ERASMUS-­Fachkoordinator an der WWU Münster und dem Koordinator an der Gastuniversität einen vorläufigen Studienplan für euren ERASMUS‐Aufenthalt. Informationen über das Kursangebot an eurer Gastuniversität findet ihr auf deren Homepage. Sollte das Vorlesungsverzeichnis der Gastuniversität noch nicht rechtzeitig vorliegen, orientieret euch bei der Kursauswahl an dem Kursangebot des laufenden oder abgeschlossenen Semesters, oder setzt euch mit der Gastuniversität in Verbindung. Das Learning Agreement kann in jedem Fall aber auch nochmals vor Ort angepasst oder geändert werden.

Darüber hinaus gibt es noch das Data-­‐Sheet, was ihr euch an eurer Gast-­‐ Universität mir der An-­‐ und Abreise abstempeln lasst und der Universität Münster somit Auskunft über die genaue Dauer eures Auslandsaufenthaltes gibt.

Bitte besprecht im Vorfeld mit dem ERASMUS-­‐Fachkoordinator an der WWU Münster auch, welche Kurse in welchem Umfang angerechnet werden können. Dazu müsst ihr euch auch im Klaren darüber sein, welchen Schwerpunktbereich ihr letztendlich wählen und euch dort die Fächer anrechnen lassen wollt. Für die Anrechnung der zu erbringenden Leistungen im Ausland müssen die ausgewählten Kurse inhaltlich mit denen der WWU übereinstimmen. Dann setzt ihr euch mit dem Prüfungsamt in Verbindung und müsst noch vor Ablegung der Prüfung einen Antrag auf Anrechnung ausfüllen. Je Semester können bis zu drei Kurse angerechnet werden. 

5. ECTS

ECTS steht für European Community Course Credit Transfer System (Europäisches System zur Anrechnung von Studienleistungen). Es wurde von der Kommission der Europäischen Gemeinschaften entwickelt, um Studierenden zu einem optimalen Nutzen ihres Auslandsstudiums zu verhelfen. Das System ermöglicht es, Studienleistungen vergleichen. Dafür bedient es sich der Zuweisung und Übertragung von akademischen Anrechnungspunkten. Außerdem sorgt ECTS durch die Bereitstellung von detaillierten Informationen über Studiengänge und über einzelne Lehrveranstaltungen für Transparenz des akademischen Lehrangebots. Die ECTS-­‐Punkte bezeichnen dabei den Arbeitsaufwand der für jede Lehrveranstaltung von den Studierenden erbracht werden muss. Ein Credit ist gleichbedeutend mit 30 Arbeitsstunden. Es gibt je nach Arbeitsaufwand für Vorlesung und Seminare verschiedene Anzahlen von ECTS-­‐Credits. Zahlreiche europäische Universitäten sind bereits an ECTS angeschlossen. Alle an der Gasthochschule erbrachten Leistungen werden in einer Datenschrift mit Bezeichnung des Kurses und der Angabe der erzielten ECTS-­‐Punkte angegeben. Außerdem werden ECTS-­‐Noten angegeben, die auf einer von der EU-­‐Kommission einheitlich vorgegebenen Notenskala beruhen.

6. Sonstiges während und nach dem Auslandssemester

Wer außerhalb von Europa im Ausland studieren oder dort ein Praktikum ableisten möchte, wird in vielen Fällen ein Visum benötigen. Hierzu sollte man frühzeitig Informationen bei der Botschaft des jeweiligen Landes anfordern. Die anschließende Antragsstellung sollte ebenfalls einige Monate im Vorfeld erfolgen, da das Verfahren bei einigen Botschaften sehr langwierig ist. Falls Unterlagen nachgereicht werden müssen, hat man immer noch genügend Zeit bis zum Abreisedatum.

Auch sollte man sich stets vergewissern, dass der eigene Reisepass noch lange genug gültig ist. Einige Länder verlangen eine Gültigkeitsdauer, die sechs Monate über den geplanten Auslandsaufenthalt hinausgeht.

Vor der Abreise sollte man sich vergewissern, dass insbesondere die eigene Krankenversicherung für Krankheitskosten im Ausland aufkommt. Darüber hinaus empfiehlt es sich, über sonstige Versicherungen wie z.B. Unfall-­‐, Reisegepäck-­‐, oder sonstige Versicherungen nachzudenken. In einigen Ländern ist der Abschluss von zusätzlichen Versicherungen obligatorisch. Genaueres ist entweder bei der Versicherungsgesellschaft, der Botschaft oder in handelsüblichen Reiseführern zu erfahren. Auch an Impfungen ist zu denken, hierbei gibt es beim Robert‐Koch‐Institut umfangreiche Informationen.

Wenn ihr wieder in Münster seit, müsst ihr das Data­‐Sheet, eine Kopie des Transcript of Records und eine Kopie des Learning Agreements in bestimmten Fristen einreichen, die euch aber mehrfach vom International Office per Email bekannt gegeben werden, sodass es beinahe unmöglich ist, diese zu verpassen. Darüber hinaus müsst ihr noch einen Fragebogen ausfüllen und ein kurzes Memo schreiben.