Jeder Auslandsaufenthalt ist mit Kosten verbunden. Um die finanzielle Belastung nicht alleine tragen zu müssen, besteht die Möglichkeit sich um Stipendien zu bemühen oder Auslands‐Bafög zu beantragen.

1. Erasmus-­Stipendien

Der Austausch im Rahmen der ERASMUS-­Programme wird mit Geldern der EU finanziell unterstützt. Die Teilnehmer selbst erhalten ein kleines Stipendium und den Hochschulen kommen Zuschüsse zugute. Die Stipendien für die Studierenden sollen zusätzliche Kosten eines Auslandsaufenthaltes decken, also nicht die gesamten Kosten. Aus diesem Grunde werden sie auch als „Mobilitätszuschüsse“ bezeichnet. Die Höhe der Leistungen schwankt und hängt davon ab, wie viele Studenten insgesamt ein Erasmus Stipendium in Anspruch nehmen. Der Zuschuss liegt zurzeit ungefähr bei 100 € pro Monat. Sollte es während des Aufenthalts zu Änderungen des Zeitraums geben (z.B. Verkürzung oder Verlängerung), wird dies am Ende des Aufenthalts berücksichtigt, das heißt ihr bekommt eine Nachzahlung oder müsst selbst einen Überschuss zurücküberweisen.

2. Auslands-­BAFÖG

Neben dem Erasmus-Stipendium ist das Auslands‐Bafög wohl die beliebteste Alternative. Da die Bedarfssätze im Ausland wesentlich höher liegen als im Inland, werden oft auch Studierende gefördert, die im Inland keine Förderung erhalten. Daher lohnt es sich auf jeden Fall, einen Antrag auf Auslands-­Bafög zu stellen. Bis zu einem Jahr werden Studienaufenthalte im Ausland nicht auf die Förderungshöchstdauer angerechnet.

Das Auslands-­Bafög wird Studierenden mit ständigem Wohnsitz in Deutschland sowohl für Studienaufenthalte in EU-­Ländern als auch in Nicht­‐EU‐Ländern gewährt. Innerhalb der EU sowie in der Schweiz ist die komplette universitäre Ausbildung förderungswürdig. Dabei muss der Auslandsaufenthalt mindestens sechs Monate für Freemover, beziehungsweise drei Monate im Rahmen einer Hochschulkooperation dauern. Für zeitlich begrenzte Aufenthalte gilt, dass sie förderungswürdig sind, wenn das Auslandsstudium nach dem Ausbildungsstand förderlich ist und zumindest ein Teil auf das deutsche Studium angerechnet werden kann.

Nach dem Ausbildungsstand förderlich ist ein Auslandsstudium, wenn der Studierende in der gewählten Fachrichtung bereits Grundkenntnisse während einer mindestens einjährigen Ausbildung im Inland erlangt hat. Förderung kann nur für die Zeit geleistet werden, in der eine Vollimmatrikulation an der ausländischen Hochschule besteht.

Für Zwischenzeiten bis zum Wiederbeginn des inländischen Studiums kann Inlandsförderung für bis zu 2 Monaten geleistet werden.

Bei einem Studium im Ausland werden Zuschläge zum Bedarf, das sind zwischen 60 und 450 Euro zusätzlich zu eventuell schon bestehenden Bafög- Leistungen und Studiengebühren, bis zu 4.600 € pro Jahr, gezahlt. Darüber hinaus wird für Auslandsaufenthalte innerhalb Europas eine Reisekostenpauschale von je 250 Euro, für Auslandsaufenthalte außerhalb Europas von je 500 Euro für die Hin‐ und Rückreise bezahlt. Der Bedarfssatz, der Auslandszuschlag und die Reisekostenpauschale sind, wie die normale Bafög‐Förderung, zur Hälfte ein Zuschuss und zur Hälfte ein zinsloses Darlehen, das später zurückgezahlt werden muss. Die Studiengebühren von bis zu 4.600 Euro müssen jedoch nicht zurückgezahlt werden.

In jedem Fall sind für das Auslandsstudium ausreichende Kenntnisse der Unterrichts- bzw. Landessprache erforderlich.

Der Antrag sollte mindestens sechs Monate vor der Ausreise beim zuständigen Ausbildungsamt gestellt werden. Die Zuständigkeit des BAföG‐Auslandsamtes hängt davon ab, in welchem Land man studieren möchte. Die Adressen der Ämter sind im Internet zu finden: http://www.bafoeg.bmbf.de/de/384.php.

3. Bildungsfonds und Bildungskredit

Für leistungsstarke Studierende stellen Bildungsfonds eine weitere Alternative dar. Diese Fonds finanzieren sich i.d.R. über private Geldgeber bzw. institutionelle Anleger. Studierende, die die Auswahlverfahren bestehen, können für ihr normales Studium und oft auch für Auslandsaufenthalte Kredite bekommen. Ein großer Vorteil dieses Kredits ist, dass sich die Rückzahlungen, anders als bei konventionellen Kreditangeboten, am späteren Einkommen der Absolventen bemessen. Diese Art der Studienfinanzierung ist daher besonders gut kalkulierbar und schützt vor Überschuldung.Weitere Informationen findet ihr hier: www.bildungsfonds.de

Ein zinsgünstiger Bildungskredit für Auslandsaufenthalte kann beim Bundesverwaltungsamt beantragt werden. Ein großer Vorteil: Der Bildungskredit wird unabhängig vom Vermögen der Eltern oder des Antragstellers bewilligt. Der Kredit umfasst Leistungen von bis zu 300 Euro pro Monat und wird über einen maximalen Zeitraum von zwei Jahren ausbezahlt. Ein Bildungskredit kann zusätzlich zum Bafög beantragt werden. Voraussetzungen sind, dass man sich zum Zeitpunkt der Antragstellung in einer fortgeschrittenen Phase des Studiums befinden, das zwölfte Studiensemester noch nicht abgeschlossen sein darf. Zurückgezahlt werden muss der Bildungskredit nach vier Jahren in Raten von 120 Euro pro Monat.

Weitere Informationen über einen Bildungskredit gibt es auf folgender Seite: http://www.bva.bund.de/cln_108/nn_372242/DE/Aufgaben/Abt__IV/Bildungs kredit/bildungskredit-­inhalt.html?__nnn=true

4. DAAD­‐Stipendien

Die Mittel für die Förderung des Studien-­ oder Forschungsaufenthaltes im Ausland erhält der Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD) größtenteils aus dem Haushalt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Die Förderung, die vom DAAD gewährt wird, gehört mit zu den umfangreichsten ihrer Art. Wer vom DAAD gefördert wird, hat nicht nur die Gewissheit, sich während des Auslandsaufenthaltes nicht unbedingt um Geld Sorgen machen zu müssen, sondern es bedeutet zusätzlich auch eine Auszeichnung, von diesem renommierten Institut gefördert zu werden.

Die Stipendien werden aufgrund fachlicher Qualifikation und persönlicher Eignung vergeben.

Wesentliches Entscheidungskriterium ist die fach‐ und studienbezogene sowie persönliche Eignung, belegt vor allem durch die akademischen Leistungsnachweise, die Gutachten der Hochschullehrer und ­‐lehrerinnen und die Beschreibung des Studien‐ bzw. Forschungsvorhabens. DAAD‐Stipendien stehen für deutsche vollimmatrikulierte Studierende sowie für deutsche Graduierte und Promovierte von staatlichen bzw. staatlich anerkannten Hochschulen zur Verfügung. Die Stipendien stehen für alle wissenschaftlichen und künstlerischen Fachrichtungen zur Verfügung.

Eine weitere Voraussetzung für die Förderung durch den DAAD ist allerdings, dass keine weitere Förderung (also auch ERASMUS-­Stipendien) bezogen werden.

Die Details über den Bewerbungsvorgang sind auf www.daad.de zu finden. Dort erfahrt ihr auch wo ihr eure Unterlagen einreichen müsst. Zwischen dem Abgabetermin der Unterlagen an der Hochschule und der endgültigen Auswahl durch den DAAD können bis zu 6 Monate liegen.

Die Auswahlverfahren unterscheiden sich nach Programmen und Zielregionen. Die Auswahl erfolgt in der Regel durch unabhängige Kommissionen von Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern unter Beteiligung von ehemaligen DAAD-­Stipendiaten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Geschäftsstelle des DAAD. Die Kommissionsmitglieder gehen von den eingereichten schriftlichen Unterlagen aus und beurteilen aus ihrer Kenntnis der allgemeinen und fachlichen Gegebenheiten in den deutschen Hochschulen und im Zielland die Begründung des Antrags, die Durchführbarkeit des Vorhabens, den Stand der Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes sowie die bisherige akademische Qualifikation und die Sprachkenntnisse. Dieses Gespräch ist als Ergänzung zu den schriftlichen Bewerbungsunterlagen bei der Entscheidung über die Stipendienvergabe wichtig. Dabei wird in der Regel ein Teil des Gesprächs in der Sprache des Ziellandes geführt bzw. eine kurze mündliche, in Ausnahmefällen auch eine schriftliche Sprachprüfung vorgenommen.

Das Stipendium wird in monatlichen Raten ausgezahlt. Zusätzlich werden die von der ausländischen Hochschule in Rechnung gestellten Studiengebühren bis zu einer bestimmten Grenze gezahlt. Ferner zahlt der DAAD die Reisekosten bzw. eine Reisekostenpauschale. Sofern das Stipendium die vollen Reisekosten umfasst, erfolgt die Buchung der Reise über den DAAD, der auch festsetzt, mit welchem Verkehrsmittel die Reise erfolgen soll; die nachträgliche Erstattung von Kosten für bereits vorher gebuchte Flüge ist nicht möglich. Stipendiaten, die ins europäische Ausland gehen, erhalten eine Reisekostenpauschale.

Zusätzlich kann der DAAD für die Geförderten selbst die Kosten für eine Kranken­‐, Unfall und Haftpflichtversicherung übernehmen; die nach Ländern und Programmen unterschiedlichen Regelungen werden mit der Stipendienzusage mitgeteilt.

Die monatlichen Stipendienraten des DAAD setzen sich aus einem Stipendiengrundbetrag und einer Auslandszulage zusammen. Die Höhe der monatlichen Stipendienraten richtet sich nach den Gegebenheiten im Gastland. Bei Studierenden wird eine Eigenbeteiligung von 358 € zugrunde gelegt.

Bei Graduierten werden Vollstipendien gezahlt; sie werden dennoch nicht in jedem Fall zur Bestreitung der vollen Lebenshaltungskosten ausreichen, so dass eine gewisse Eigenbeteiligung notwendig werden kann.

5. PROMOS

Seit 2011 finanziert der DAAD ein Mobilitätsprogramm, das kürzere Auslandsaufenthalte deutscher Studierender (bis zu sechs Monaten) weltweit fördert. WWU-­‐Studierende können sich dabei um eine finanzielle Förderung für bestimmte studienbezogene Vorhaben im Ausland direkt bei der WWU Münster bewerben. Nicht bewerben darf man sich allerdings, wenn man eine finanzielle Förderung für seinen Auslandsaufenthalt von öffentlichen oder privaten Stiftungen erhalten. Folgende Vorhaben können innerhalb von PROMOS gefördert werden:

▪ Studienaufenthalte, Kurzaufenthalte für Abschlussarbeiten und Forschungsmodule an Universitäten/Forschungseinrichtungen (1 bis 6 Monate) Gefördert werden können sowohl Kurzaufenthalte (etwa für Abschlussarbeiten) als auch Studienaufenthalte sowie Forschungsmodule bis zu sechs Monaten von Studierenden. Hierbei betragen die monatlichen Teilstipendien bis zu 300€ für die Dauer des Aufenthaltes und/oder es wird eine länderspezifische Reisekostenpauschale gezahlt. Studiengebühren können anteilig nur in Sonderfällen übernommen werden.

▪ Praktika (6 Wochen bis 6 Monate) Praktika von Studierenden sind grundsätzlich weltweit förderbar. Praktika in EU-­‐Ländern, Island, Liechtenstein, Norwegen und der Türkei können wegen Überschneidungen mit dem Praktikantenprogramm von ERASMUS nicht gefördert werden. Ausnahme sind Studierende, die bereits für einen Praktika-­‐Aufenthalt im Rahmen von ERASMUS gefördert wurden und deshalb im Rahmen des ERASMUS-­‐Programms keine Förderung mehr erhalten können.

▪ Sprachkurse (3 Wochen bis 6 Monate) Sprachkurse von Studierenden und Doktoranden an Hochschulen im Ausland können weltweit gefördert werden. Für Sprachkurse und Fachkurse können prinzipiell monatliche Teilstipendienraten und/oder Reisekostenpauschalen und/oder eine einmalige Kursgebührenpauschale in Höhe von 500 € übernommen werden.

Bewerber, die bereits über PROMOS gefördert wurden, können in einem späteren Zeitpunkt erneut ein PROMOS‐Stipendium in Anspruch nehmen. Es können also mehrere PROMOS-­‐Stipendien miteinander kombiniert werden, wenn diese in der Summe den Gesamtförderzeitraum von 6 Monaten nicht überschreiten. Bewerbungen für Semesterstipendien, Stipendien für Kurzaufenthalte für Abschlussarbeiten, Sprachkurs-­‐/ Fachkursstipendien sowie Stipendien für Forschungsmodule im Ausland werden fristgerecht per E-­Mail und in Form eines PDF‐Dokuments im International Office eingereicht.

Stipendienbewerbungen für Praktika müssen beim Career Service der WWU Münster eingereicht werden. Frist für Bewerbungen für Vorhaben, die im Zeitraum Januar­‐Juni beginnen ist der 15.10., für Vorhaben, die im Zeitraum Juli‐Dezember beginnen der 15.04.

6. Sonstige Stiftungen

Die großen Stiftungen in Deutschland vergeben Auslandsstipendien nur an die Stipendiaten, die auch in Deutschland eine Förderung erhalten. Hier ist eine Förderung von ein bis zwei Semestern möglich. Wenn ihr Fragen zu Stipendien und sonstigen Stiftungen habt könnt ihr gerne mal in die Fachschaft kommen und euch informieren und Broschüren der jeweiligen Stiftungen durchstöbern.

Eine Übersicht über sämtliche Stiftungen findet ihr unter folgender Seite: http://www.stiftungen.org/de/verband.html Finanzielle Förderung für Ihren Auslandsaufenthalt können Sie auch von einem der großen deutschen Begabtenförderungswerke erhalten. Neben der fachlichen Qualifikation legen viele der Stipendiengeber großen Wert auf ein besonderes soziales, kulturelles, kirchliches, politisches oder gewerkschaftliches Engagement. Hier eine Übersicht: http://www.stipendiumplus.de/