1. Allgemeines

Das LL.M.­-Studium, der Erwerb des Magister Legum (Master of Laws), ist sicherlich eine der attraktivsten Möglichkeiten, sich über das reguläre Jurastudium hinaus zu qualifizieren. Es eröffnet viele neue Wege und kann ein entscheidender Faktor bei der späteren Berufswahl sein. Der Entschluss, den LL.M. zu erwerben, sollte nicht nur aus Gründen der Finanzierung wohl überlegt sein. Nicht jeder wird in gleicher Weise von diesem Abschluss profitieren können. Für jemanden, der zum Beispiel als Richter oder als Jurist in der Verwaltung arbeiten will, ist der LL.M. nicht unbedingt notwendig und attraktiv, hier kann eher der Doktortitel Türen öffnen. Wer hingegen als Anwalt oder Wirtschaftsjurist tätig sein möchte und dabei besonderen Wert auf Internationalität setzt, dem ist das LL.M.-­ Studium jederzeit anzuraten.

Natürlich ist auch die Erfahrung im Ausland gelebt und gearbeitet zu haben, andere Völker und Kulturen kennenzulernen, ein gewichtiges Argument. Auslandsaufenthalte und Sprachfertigkeiten sind heute gefragter als sie jemals waren!

Was den Bereich der Lehre und der anschließenden Berufswahl angeht, kann der LL.M. dem Studenten viele Vorteile verschaffen:

1. Durch die internationale Ausrichtung werden bestimmte Fachkenntnisse des englischen, U.S.‐amerikanischen Rechts vermittelt. Der LL.M. kann außerdem in verschiedenen Fachgebieten erworben werden (Banking, Taxation, Environmental Law etc.), was die fachliche Ausrichtung noch intensiviert.

2. Der LL.M. ist eine Zusatzqualifikation, die durch weitere Studien ergänzt werden kann (z.B. Bar Exam ‐ Anwaltsexamen, wie das New York Bar Exam). Weiterhin kann die Zeit im Ausland gegebenenfalls zur Vorbereitung der Promotion genutzt werden (Materialsammlung etc.).

3. Während des Auslandsstudiums lassen sich internationale Verbindungen aufbauen, die später von großem Nutzen sein können. Weiterhin könnte sich das schwarze Brett einer Law School als Jobbörse entpuppen (auch deutsche Firmen und Kanzleien suchen LL.M. Absolventen direkt vor Ort). 

2. Zeitpunkt des Studiums

Auf die Frage, wann ein LL.M.-Studium am sinnvollsten ist, gibt es im Prinzip keine richtige Antwort. Prinzipiell gibt es sogar die Möglichkeit vor dem ersten Staatsexamen einen LL.M. zu absolvieren. Beispiele bilden hier die Programme in Norwich, Sheffield (UK) und San Diego (USA), die FFA-Absolventen bereits vor dem ersten deutschen Staatsexamen offenstehen. Während eines LL.M.‐Studiums gleich im Anschluss an das erste Staatsexamen lässt sich unter Umständen die Wartezeit auf eine Referendariatsstelle überbrücken. Außerdem besteht noch ein engerer Draht zur Universität und zu den Professoren, was für die Bewerbung von entscheidendem Vorteil sein kann. Nach dem zweiten Staatsexamen hat man wiederum einen besseren Einblick in das deutsche Rechtssystem, und man kann darüber hinaus gleich Jobs im Ausland annehmen, sofern sich die Gelegenheit bietet. 

3. Gebühren

Da ein LL.M.-Studium mit sehr hohen Studiengebühren verbunden ist, wird das Bemühen um ein Auslandsstipendium unumgänglich sein.

Teilweise vergeben die Universitäten selbst "scholarships" an ausländische Studierende. Ansonsten kann man in den USA einen Antrag auf "tuition‘s waiver" stellen. Dies ist entweder ein vollständiger Verzicht auf die Studiengebühren oder die Reduzierung der Gebühren auf die sogenannten "instate fees". Hierbei sind die Auswahlkriterien allerdings vom jeweiligen Bundesstaat abhängig (daher bei der Law School direkt anfragen). Oft werden ausländischen Studierenden schon im Vorfeld Stellen als studentische Hilfskräfte angeboten, die z.B. in den USA nicht schlecht bezahlt werden und nicht unbedingt mit viel Arbeit verbunden sein müssen. Auf diese Art und Weise lassen sich die Kosten schon um ein erhebliches Maß reduzieren.

4. Auswahl der Universität

Bei der Auswahl der Hochschule stellt sich zuerst die Frage, wo es denn überhaupt möglich ist, einen LL.M. zu erwerben. Traditionell sind die Vereinigten Staaten und Großbritannien das Hauptziel der meisten Studenten, hier ist das Angebot auch bei weitem am vielfältigsten. Es besteht aber inzwischen, in fast allen Ländern die Möglichkeit, ein LL.M.-Studium zu absolvieren. Neuerdings werden sogar in Japan englischsprachige Magisterprogramme (auch zum internationalen Wirtschaftsrecht) angeboten.

Welches Land nun zu bevorzugen ist, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Sicherlich spielen dabei finanzielle Gründe eine Rolle, ansonsten sollten aber doch spezielle kulturelle oder sprachliche Vorlieben berücksichtigt werden. Bei der Auswahl der Hochschule selbst sollte man besonders Kosten, wissenschaftliche Angebote, Kontakte und Lage der Universität beachten. Unbedingt zu empfehlen ist außerdem, das wissenschaftliche Angebot der Law Schools genau zu studieren. Viele Universitäten bieten den LL.M. auf einem bestimmten Rechtsgebiet an (z.B. Environmental Law, Taxation Law). Wer diesbezüglich besondere Interessen oder Vorkenntnisse hat, sollte seine Wahl auch davon abhängig machen. Wer vielleicht schon mal im Ausland war und dementsprechend Kontakte zu einer Law School hat, sollte diese in jedem Fall ausnutzen.

An dieser Stelle sei noch darauf verwiesen, dass die Universität Münster zu verschiedenen anderen Universitäten besondere Verbindungen unterhält, wodurch an einigen Universitäten verbesserte Bedingungen für Studenten aus Münster, insbesondere FFA-­‐Absolventen, bestehen. So gibt es unter anderem spezielle Stipendienprogramme. Diese Kontakte laufen über Prof. Dr. Lundmark und Prof. Dr. Steinmeyer die auf ihren Institutsseiten auch auf diese Programme verweisen. Auch liegen in der Fachschaft Broschüren und andere Infomaterialien aus, die ihr gerne einsehen könnt, wenn ihr euch über LL.M. Studiengänge an anderen Hochschulen informieren wollt.

5. Bewerbung

Die Bewerbung an den verschiedenen Law Schools ist die Fahrkarte ins Ausland. Demnach sollten an diesem Punkt keine Kosten und Mühen gescheut werden. Wer sich bei sechs bis acht Law Schools bewirbt, hat sicherlich gute Chancen, an einer der Hochschulen unterzukommen. Es könnte hilfreich sein, die Bewerbungen abzustufen, das heißt, drei Top-­‐Favoriten, drei Favoriten und einen bis zwei sichere Alternativen auszuwählen.

Die Universitäten stellen sicherlich in mancher Hinsicht unterschiedliche Anforderungen, es gibt aber bestimmte Grundelemente, die in jedem Fall beachtet und eingehalten werden sollten.

1. Besonders wichtig ist der Zeitpunkt der Bewerbung. Die von den Universitäten gesetzten Fristen sind grundsätzlich einzuhalten und es ist ratsam, die Unterlagen möglichst früh innerhalb dieser Frist einzureichen. Die Vorbereitungszeit sollte dementsprechend schon 1 1/2 bis 2 Jahre vorher einsetzen. Die Bewerbungsfristen für die Stipendien laufen unabhängig nebenher.

2. Erstes Grundelement der Bewerbung ist die Application for Admission an der Law School selbst. Die Unterlagen müssen bei der Hochschule direkt schriftlich oder auch per E-Mail angefordert werden. Eventuelle spezielle Anforderungen (Gesundheitszeugnis, etc.) sind hieraus zu entnehmen.

3. Außerdem ist grundsätzlich ein ausführlicher Lebenslauf gefordert, wobei zu beachten ist, dass vor allem die amerikanischen bzw. britischen CVs (curriculum vitae) sich von den deutschen Pendants unterscheiden. Abgesehen von der Schreibweise werden hierbei auch inhaltlich andere Maßstäbe gesetzt. Besonders die Amerikaner legen viel Wert auf außer(hoch)schulische "activities" im sozialen, kulturellen und sportlichen Bereich. Alle charakterbildenden Erfahrungen sollten also in jedem Fall in den Lebenslauf mit eingebaut werden.

4. Ebenso unentbehrlich (weil vorausgesetzt) sind zwei oder drei Empfehlungsschreiben deutscher Professoren oder Praktiker (Richter). Hier ist es ratsam, den Professoren, sofern man sich nicht kennt, ausreichend und frühzeitig Informationen zukommen zu lassen, damit das Empfehlungsschreiben auch wie gewünscht ausfällt. Besonders wichtig ist hier, dass das Schreiben in gutem Englisch und außerdem nach den Richtlinien des entsprechenden Landes angefertigt wird. An dieser Stelle sei auf die Bereitschaft von Prof. Dr. Lundmark verwiesen, der grundsätzlich bereit ist ein entsprechendes Empfehlungsschreiben zu verfassen. Genauere Informationen findet ihr unter: http://www.jura.uni-­‐muenster.de/index.cfm?objectId=FCCB06C6-­‐05E3-­‐ 8B46-­‐DD514E4733BD4D09

5. Weiterhin ist es notwendig, ein Transcript anzufertigen, das heißt eine Übersetzung der erreichten Noten. Die Universität Münster stellt auf folgender Seite ein entsprechendes Formular zur Verfügung, das ausgefüllt werden und beim Prüfungsamt gestempelt werden muss. http://www.jura.uni-muenster.de/index.cfm?objectId=FCCB06D6-0AF7-B864‐39B0479B3D01E607

6. Studierende eines englischsprachigen Programms müssen schließlich den "Test of English as a foreign Language" (TOEFL) absolvieren. Die Testzentren Berlin, Frankfurt, Hamburg und München haben das Testverfahren auf eine Computerversion umgestellt, so dass der TOEFL jetzt an jedem Werktag flächendeckend absolviert werden kann. Das Ergebnis sollte möglichst über 250 Punkten liegen, um die Chancen im Ausland zu erhöhen. Der Test sollte außerdem nicht älter als zwei Jahre sein.

Bei Interesse an einem LL.M.-Studiengang oder dessen Planung ist für ausführlichere Informationen der von Prof. Dr. Thomas Lundmark herausgegebene Ratgeber „LL.M.-Programme weltweit“, welcher im Alpmann-Schmidt-Verlag erschienen ist, zu empfehlen. Neben allgemeinen Informationen in wesentlich größerem Umfang als wir es hier an dieser Stelle bieten können, finden sich dort auch Informationen über die weltweiten persönlichen Kontakt zu Universitäten mit LL.M.-Programmen von Prof. Dr. Thomas Lundmark. Des Weiteren sei auf die LL.M.-Fair Europe verwiesen, die jährlich im Zusammenhang mit der JurStart-­‐Messe in der Pfingstwoche in Münster angeboten wird!